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Meine Füße tragen mich mein Leben lang – Red Wing Iron Ranger 8111

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Mein deutscher Opa war Schuster und hatte im Keller seine eigene kleine Werkstatt. Laut den Erzählungen kamen die Leute teilweise von weit her, um sich von ihm Schuhe anfertigen oder reparieren zu lassen. Die Vorstellung von ihm in der kleinen Werkstatt, wie er zu Radiomusik vor sich hinwerkelte, gefällt mir. Leider habe ich meinen Opa nur durch Erzählungen kennengelernt, da er sehr früh starb. Nach seinem Tod betrieb meine Oma das Geschäft noch weitere Jahre und führte so den kleine Familienbetrieb weiter. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich als Kind sehr gerne meine Zeit in der Werkstatt verbrachte. Natürlich nicht um zu arbeiten, sondern um all die Stoffe, Lederwaren, Kleber, Werkzeuge und nicht zu letzt die Maschinen zu entdecken. Der Geruch von Kleber und Leder erinnert mich noch heute an diesen kleinen Raum im Keller meiner Großmutter. Wer weiß, vielleicht würde ich jetzt selbst in diesem Keller sitzen und gemeinsam mit meinem Opa und Vater Schuhe herstellen oder reparieren. Eine sehr schöne Vorstellung, wie ich finde.

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Das sind Erinnerungen, welche ich hoffentlich nie vergessen werde. Immer wenn es mal wieder Zeit ist sich neue Schuhe zu kaufen, stelle ich mir vor wie viel Zeit mein Großvater in seinem Keller verbrachte, um gutes Schuhwerk herzustellen. Leider stirbt der Beruf des Schusters aus, da die Leute mehr auf Bequemlichkeit und günstige Preise achten. Langlebige Qualität wollen nur wenige bezahlen und manche können es auch überhaupt nicht. Neben Sportmarken wie Adidas und Nike dominieren auch Schuhmarken, welche sich auf das Freizeit und Business-Segment konzentrieren. Doch die meisten davon zielen nur auf eins ab, große Gewinnmargen, wodurch oft die Langlebigkeit der Produkte leidet. Schließlich soll der Kunde bald neue Schuhe kaufen. So ging mir das auch Jahre lang, nicht zu letzt weil meine Schuhe oft nur zwischen 40 und 80€ gekostet haben. Da trennt man sich schneller von, als von Schuhen jenseits der 150€ Marke.

Durch meine Großmutter habe ich einen anderen Bezug zu Schuhen, denn eins sollte man nicht vergessen, unsere Füße und somit unsere Schuhe tragen uns überall hin. Mit etwas Glück dürfen wir ein Leben lang auf unseren Füßen durch die Welt flanieren, so sollten wir doch unseren Füßen auch anständiges Schuhwerk gönnen.

Monate habe ich mich dem Gedanken beschäftigt, mir neue „anständige“ Schuhe zu kaufen. Diesmal durften sie auch gerne ein paar Euro mehr kosten, denn eilig hatte ich es nicht. Doch was heißt anständig? Bedeutet teuer immer gut? Ich glaube nicht, auch wenn der Preis einem das oft suggeriert. Jahre lang habe ich Turnschuhe getragen, zum einen weil sie in Mode und zum anderen weil sie einfach bequem und erschwinglich waren. Klar haben sie mir auch gefallen, aber je mehr Stil der vergangenen Tage ich in meinem Alltag integriere, um so weniger gefallen mir Sport- und andere Freizeitschuhe. Stilistisch werde ich zunehmend von der Arbeiterkleidung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Da musste Kleidung in erster Linie funktionell und langlebig sein. Zwangsläufig stolpert man über unterschiedliche Firmen, welche sich noch an den originalen dieser Zeit orientieren. Neben Thorogood geriet insbesondere Red Wing Shoes in meinen Fokus.

Red_Wing_Shoes

Red Wing Shoes

Im Grunde handelt es sich bei Red Wing um Arbeitsschuhe, welche den speziellen Anforderungen von Baustellen über Bohrinseln bis hin zu Mienenarbeiten ausgesetzt sind. Man sollte sich auf sie verlassen und sie den ganzen Tag am Fuß (er)tragen können. Neben diesen beiden sehr wichtigen Anforderungen ist es für mich persönlich wichtig, dass sie mir gefallen und sie sich in meinen persönlichen Stil einfügen.

Zum ersten Mal aufmerksam auf die Marke wurde ich durch Frank, der Herausgeber des Vintage Flaneurs. Als wir letztes Jahr beim Rock’n’Roll Weekender in Walldorf so ins Schwatzen gerieten, kamen wir auch auf seine Schuhe zu sprechen. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass Frank und ich eine sehr ähnliche Auffassung von Kleidung, deren Qualität und die Reaktion zum Preis haben. Daheim angekommen, schaute ich erst einmal im Internet was Red Wing denn so zu bieten hat und bin zum einen an den Iron Rangers 8111 hängen geblieben und zum Anderen entschied ich mich nach ca. 5 Minuten dafür, dass sie mir persönlich einfach zu teuer sind. So einfach schien es. Doch immer wieder kam mir der Spruch „wir laufen zu lang auf unseren Füßen durchs Leben, als dass wir uns schlechte Schuhe leisten können“ auf. Also befasste ich mich immer wieder mit Schuhen und begann zu recherchieren, ob diese Schuhe einfach nur teuer oder auch ihr Geld wert sind. Während ich mich immer weiter mit dem Thema befasste, wurde ich auch immer wieder auf die gleichen Marken wie Wolverine, Red Wing oder Thorogood aufmerksam. Eben diese Marken produzieren recht ähnliche Schuhe, welche sich oft nur im Detail unterscheiden. Ebenfalls werden diese Schuhe in den USA hergestellt, was in mir ein Gefühl von Qualität aufkommen lässt. Als ich dann noch las, dass viele Modelle auch noch von Hand gefertigt werden, hatte ich ich mich innerlich bereits entschieden.Ich könnte jetzt aufführen wie gut diese Schuhe sind, weil die rahmengenäht sind, eine ölresistente Korksohle besitzen, dickes gefettetes Leder haben (welches sich mit der Zeit an den Fuß anpasst) und es einen hauseigenen Reparaturservice gibt etc. Aber ich möchte ja keinen Fachartikel schreiben. Doch all diese Argumente und dass nur ein eingelaufener Schuh ein guter Schuh ist, haben mich davon überzeugt diese doch beachtliche Summe zu investieren. Klar sind das keine Schuhe vom Schuster, aber wenn ich nicht gerade orthopädische Gesundheitsschuhe suche, wird es ziemlich schnell dünn in meiner Gegend. Un hinzu kommt, dass ich ein Bauchmensch bin und solche Entscheidungen in letzter Instanz sowieso mein Bauchgefühl entscheidet.

Der Kauf: Probieren geht über studieren

Also beschloss ich Anfang des Jahres mir solche Schuhe zu gönnen und dies mit meinen Flitterwochen in den USA im April endlich zu verwirklichen. Ich konnte es kaum abwarten endlich in einen Red Wing Store einzumarschieren und mir diese Schuhe endlich zuzulegen. Doch zunächst machte sich Ernüchterung breit, da die Auswahl in dem kleinen Laden im Stadtteil Burbank sich sehr auf richtige Arbeitsschuhe mit Stahlkappen etc. konzentrierte. Doch nach ein paar Minuten umschauen entdeckte ich sie, die Iron Ranger 8111. Genau das Modell, was ich mir vor Monaten ausgeguckt habe. Gleich darauf kam Matt, ein Mitarbeiter auf mich zu, welcher mich sehr umfassend beriet und das kann ich nur empfehlen. Grundsätzlich finde ich sollte man mehr in Geschäfte gehen und weniger im Internet kaufen. Denn neben der Schuhgröße werden dort noch ganz andere Faktoren wie Plattfüße, Spannhöhe und Fußbreite berücksichtigt. Von jedem Modell gibt es in jeder Größe verschiedene Versionen bzw. Weiten. Er gab mir zwei Modelle, fühlte, wie der Schuh passte und et voila, mein neues Paar Schuhe war gefunden. Während er mir die Schnürsenkel einfädelte wies er mich darauf hin, dass man solche Schuhe erst einlaufen müsse und das unweigerlich mit ein paar Fußschmerzen verbunden sein wird…

Fußschmerzen

Matt sollte recht behalten. Ich verließ den Landen mit den Schuhen an meinen Füßen und bestritt ab dem Tag unseren Westküsten-Road-Trip in diesen Schuhen. Es gab mehrere Momente, in denen ich froh war mich auf eine Bank setzen zu können oder, endlich im Hotelzimmer angekommen, die Schuhe auszuziehen. Aber die Schmerzen haben sich gelohnt! Nach diesem Urlaub und den damit verbundenen  2 Wochen Tortur, konnte ich sie richtig einlaufen. Sie wurden unglaublich bequem und somit zu meinen neuen Lieblingsschuhen. Insgeheim hoffte ich auch, dass es so kommen wird, denn die 319 Dollar wollte ich nicht bereuen! Vielleicht ist es nur Einbildung ode rich versuche es mir schön zu reden, aber ich habe das Gefühl einen aufrechteren Gang und weniger Rückenschmerzen zu haben. Ich hoffe, dass ich diese Schuhe noch lange tragen werde, aber davon bin ich auch fast überzeugt. Mit der Zeit und mit dem regelmäßigen Tragen bekommen die Schuhe eine Patina, welche den Stiefeln gut zu Gesichte steht. Vintage eben…

Ich weiß nicht, ob euch dieser Beitrag einen wirklichen Mehrwert bietet, aber ich hatte innerlich irgendwie das Verlangen meinen inneren Großvater rauszulassen und meine Begeisterung für diese Schuhe kund zu tun.

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Kategorie: Wohnzimmer

von

Danny

Ich habe einen Faible für die vergangenen Tage und möchte Dir zeigen, wie ich die alten Tage in die Gegenwart hole. Meine Leidenschaft für die Mode und Kultur der 20-60er Jahre möchte ich hier mit dir teilen. Nebenbei führe ich ein ganz normales Leben.

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