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Malcolm X: eine charismatische Figur im Kampf gegen die Rassentrennung – Teil 1

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Momentan bin ich ehrlich gesagt etwas angewidert, was in der Welt momentan so vor sich geht. Es ist egal, ob es Kriege und Attentate aus religiöser Überzeugung, Tötung von unbewaffneten Schwarzen in Charlotte (North Carolina), Pegida-Aufläufe in Dresden oder die aktuellen Präsidentschaftswahlen (Trump mit seinen Einreise und Einwanderungsbeschränkungen im Speziellen) in der USA sind. Ich will natürlich nicht ausschließen, dass ich von den Medien beeinflusst bin. Doch aufgrund der übermäßigen Präsenz von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erscheinen mir die, ebenso schlimmen Themen wie Armut und Hunger, fast nebensächlich.

Ich möchte hier keinen mehrseitigen Monolog darüber führen, sondern auf das Leben einer prägenden Figur der Vergangenheit schauen. Neben Martin Luther King Jr. hat auch er als schwarzer Bürger der USA früh seine Erfahrungen mit Rassismus, Unterdrückung und Diskriminierung gemacht. Doch er unternahm etwas dagegen und schlug dabei einen grundsätzlich anderen Weg ein, als sein ebenfalls sehr bekanntes Pendant. Die Rede ist von Malcom X. Unterschiedlicher konnten die beiden Bürgerrechtler und Aktivisten nicht sein, so praktizierte Martin Luther King Jr. einen gewaltlosen Widerstand und Malcom X wählte den radikalen Weg.

Malcolm X,

welcher noch heute als charismatische und polarisierende Figur im Kampf gegen den Rassismus gilt, ist am 19. Mai 1925 als Sohn von Earl und Louise Little in Omaha geboren und hatte keine einfache Kindheit. Sie war geprägt durch die herrschende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung, dem Tod seines Vaters und seiner psychisch labilen Mutter. Sie verbrachte später 26 Jahre in einer Nervenklinik und wurde behandelt. Nachdem Malcolms Vater von einer Straßenbahn überfahren wurde und die Lebensversicherung nicht zahlen wollte, lebte Malcolm mit seiner Mutter und seinen sechs Geschwistern in Armut. Aufgrund dessen und um sich der autoritären Erziehung seiner Mutter zu entziehen, verübte Malcolm schon früh kleinere Diebstähle. Als Louise in die Nervenklinik eingeliefert wurde kamen Malcolm und seine Geschwister zunächst ins Heim. Doch King wurde kurze Zeit später von einer weißen Familie namens Gohannas aufgenommen.

Keine Chancengleichheit zwischen schwarz und weiß

Bereits in der Highschool stellte X fest, dass er aufgrund seiner Hautfarbe nicht die gleichen Chancen wie ein Weißer hatte. Trotz seiner herausragenden Noten und seiner ebenfalls überdurchschnittlichen Intelligenz, durfte er trotzdem nicht studieren. Durch einen Umzug zu seiner Halbschwester Ella nach Boston versprach er sich Besserung, doch tatsächlich hielt er sich dort nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Um weißer zu wirken und mehr Chancen zu haben, begann er schließlich sein Aussehen zu ändern. Er trug vermehrt Anzüge und ließ sich einen Cronk machen. Bei einem Cronk handelt es sich um das chemische Glätten des gräuseligen Haares, das Afroamerikaner von Geburt an haben. Später bezeichnete er dies als ersten Schritt zur eigenen Degradierung.

Detroit Red

Seinem Kriegsdienst entging er, indem er einem Psychiater eine psychische Untauglichkeit vortäuschte und verkehrte zunehmend im kriminellen Milieu. Unter dem Namen „Detroit Red“ erlangte Malcolm eine gewisse Bekanntheit in Boston. Denn durch seine Arbeit als Kellner erwarb er sich immer wichtigere Kontakte und fungierte als Vermittler weißer Kundschaft für Bordelle. Er driftete immer weiter in die kriminelle Laufbahn ab und landete deswegen 1944 das erste Mal im Gefängnis. Er wurde verhaftet, als er einen zuvor gestohlenen Mantel weiterverkaufen wollte.

Die Haft erzielte jedoch keine Besserung, sodass er nach seiner Freilassung gemeinsam mit seinen Jugendfreunden aus seiner Bostoner Zeit, mit den Einbrüchen weitermachte und letztlich 1947 zu 10 Jahren Haft bzw. Zwangsarbeit verurteilt wurde.

Die Zeit im Gefängnis…

…kann man im Grunde als Wendepunkt in seinem Leben bezeichnen. In Haft begann er die Zeit sinnvoll zu nutzen, als Autodidakt bildete er sich in den Bereichen Philosophie und Geschichte weiter. In Debattiergruppen schulte er seine Rhetorik und das Sprechen vor Publikum. Die Zeit im Gefängnis war nicht nur prägend weil er sich dort weiterbildete, sondern auch weil er durch einen Brief seines Bruders Philbert das erste Mal mit der Nation of Islam Bekanntschaft machte. Seine Geschwister waren bereits der Organisation beigetreten und versuchten Malcolm mit Erfolg zum Beitritt zu überzeugen.

Nach 5 Jahren Haft wurde er 1952 vorzeitig aus der Haft entlassen und, aufgrund seiner neuen Religion (Islam), offiziell als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Normalerweise hätte Malcom Ersatzdienst leisten müssen, konnte dies jedoch erneut durch ein psychiatrisches Attest abwenden.

Aus Little wurde X

Die Nation of Islam war der Überzeugung, dass die Nachnamen eines jeden schwarzen Bürgers ihm durch seine einstigen Sklavenhalter verliehen wurden. Als Zeichen der Befreiung aus der Unterdrückung bekamen alle Mitglieder neue Nachnamen. So wurde aus Malcolm Little, Malcolm X. Aufgrund seines neu gewonnenen Selbstbewusstseins, veränderte X seine äußerliche Erscheinung erneut, indem er Sonnenbäder nahm um dunkler zu werden und schor sich den Kopf.

Nation of Islam (NoI)

Durch seinen Umzug nach Detroit lernte er den Führer der Nation of Islam, Elijah Muhammad, kennen. Muhammad wurde zu einer Art Ersatzvater und Unterstützer für ihn. Aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten und seinem selbstsicheren Auftreten, gelang es X sich als einer der Wortführer der Organisation zu etablieren und seinen Stand als Muhammads Vertrauter zu festigen. Um erfolgreich neue Anhänger zu gewinnen versuchte er möglichst viele Menschen zu erreichen und passte auch seine Sprache bzw. Slang dem Publikum an. Als Sprecher der Organisation prangerte er immer wieder den Rassismus der weißen Gesellschaft an und untermauerte dies mit der amerikanischen Geschichte. Diese zeigte, dass Afroamerikaner schon immer durch Weiße gelyncht, unterdrückt, diskriminiert und versklavt wurden.

Malcolm X das Hass predigende Monster

Politische Protestaktionen wurden von der NoI gebremst und ihr Aktivismus richtete sich ausschließlich an Männer. Frauen konnten in der Nation keine wichtigen Aufgaben übernehmen, ihnen wurde die vermeintlich „natürliche“ Rolle der Hausfrau und Mutter zugewiesen. In den Medien wurde die Nation of Islam zum Feindbild stilisiert und Malcom als Hass-Prediger bzw. Monster betrachtet. Doch sich selbst betrachtete X mehr als Vertreter des Rechtes der Schwarzen auf Selbstverteidigung.

Die wachsende Wut und Ungeduld der schwarzen Ghetto-Jugend fand in der kompromisslosen und radikalen Nation of Islam einen wichtigen Ansprechpartner. Der daraus resultierende schwarze Nationalismus trug wesentlich zur Black-Power-Bewegung bei.

Martin Luther King Jr.

Malcolm X war ein radikaler Kritiker von Kings gewaltlosen Methoden, da sie für ihn nur ein weiterer Versuch war, Gerechtigkeit für das afroamerikanische Volk zu erbetteln. Kings Traum von einem gleichberechtigten Land, unabhängig von der Hautfarbe, wurde von vielen Schwarzen geteilt, doch durch die Geschichte von 400 Jahren „weißem Terror“ fühlte X sich darin bestätigt, dass die Weißen keine Kompromisse eingehen wollten. Die gewaltlosen Protestaktionen Kings wurden immer wieder durch weiße Gewalt beendet und so war es für Malcolm X an der Zeit die „Sprache der Weißen“ zu sprechen. Nach seiner Auffassung war es die Sprache der Gewalt. Besonders bei den ländlich geprägten und der kleinen Mittelschicht der Schwarzen, fanden Kings Methoden besonderen Anklang. Sie sahen den Norden Amerikas als gelobtes Land an und hegten immer noch die Hoffnung, dass sie endlich von den Weißen akzeptiert werden würden. Doch Malcolm kannte die tatsächlichen Verhältnisse der Großstadtslums nur zu gut, denn schließlich ist er dort als „Detroit Red“ groß geworden. 1963 prägte X die Unterscheidung zwischen „Hausnegern“ – zu welchen er King zählte – und „Feldnegern“. So unterstützten die „Hausneger“ die Weißen bei der Unterdrückung der gewöhnlichen „Feldneger“.

unterwürfig, dumm, harmlos und ignorant

Malcolm forderte die Schwarzen auf sich selbst zu verteidigen und dafür zu tun was getan werden musste. Bekannter Maßen schreckte er auch nicht vor Gewalt zurück. Afroamerikaner sollten endlich aufwachen und die Geschichte des schwarzen Volkes, die von den Weißen verfälscht wurde, sich neu anzueignen. Laut der weißen Geschichtsschreibung seien „Neger“ – so bezeichneten sich die Schwarzen auch untereinander – unterwürfig, dumm, harmlos und ignorant. Genau diese angedichtete Ideologie sollte geändert werden, denn sie war und ist schlicht und ergreifend falsch. Schwarze sollten sich endlich selbst bewusst werden, was sie seien: Afrikaner und zugleich Amerikaner, also Afroamerikaner und keine unterwürfigen Sklaven.

Meinen Beitrag über Malcolm X musste ich allerdings aufteilen, da er mit über 1.800 Wörtern zu groß für einen Beitrag war. Den zweiten Teil veröffentliche ich kommende Woche. Ich bitte um Verständnis.

Kategorie: Wohnzimmer

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Ich habe einen Faible für die vergangenen Tage und möchte Dir zeigen, wie ich die alten Tage in die Gegenwart hole. Meine Leidenschaft für die Mode und Kultur der 20-60er Jahre möchte ich hier mit dir teilen. Nebenbei führe ich ein ganz normales Leben.

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