Wohnzimmer

Wo sind sie geblieben, diese Tugenden?

Ich muss meinem Ärger jetzt einfach mal Luft machen.

Vor ca. 7 Wochen habe ich bekanntermaßen mir beim Biken mein Sprunggelenk gebrochen. Daheim ist mir schon nach zwei Wochen die Decke auf den Kopf gefallen, also habe ich alles daran gesetzt wieder arbeiten zu gehen. Das ist jetzt 2 Wochen her. Da ich immer noch auf meine Krücken und bis vor 5 Tagen noch auf meinen Spezialschuh angewiesen war, muss ich leider wieder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Autofahren mit Klumpfuß und Krücken ist bekanntermaßen eher unpraktisch. „Was soll’s? So schlimm kann es ja nicht sein, bist‘ schließlich 10 Jahre Bahn gefahren. Die paar Wochen bekommste auch noch rum…“ sagte ich zu mir selbst. Das stimmt so eigentlich auch, mit einem minimalen Unterschied… Niemals mit gebrochenem Sprunggelenk und Krücken!

Letzte Woche Montag startete ich dann voller Elan in den Montag. Endlich wieder einen geregelten Tagesablauf, anstatt dem ewigen rumgehartze auf der Couch. Während meiner 6 Wochen daheim waren die einzigen Highlights des Tages, die Physiotherapie und das Abendessen… Traurig, was? Entsprechend freute ich mich wieder arbeiten zu gehen. Die gute Laune hielt genau 1 Stunde an. Das ist die Zeit die ich vom Aufstehen bis zum Einsteigen in die Straßenbahn benötige… Ich sah schon beim heranfahren, dass die Bahn vollkommen überfüllt ist. Ausgerechnet an meinem ersten Arbeitstag mit Spezialschuh, Krücken und Rucksack. Ihr könnt euch vorstellen wie entzückt ich war… Was ich mich bis jetzt immer noch frage: Welcher Azubi hat denn geplant, dass morgens um 07:30 Uhr, wenn Schüler, Studenten und gefühlt alle Arbeitnehmer gleichzeitig auf dem Weg in die selbe Stadt sind, nur eine verdammte Bahn zu schicken? Es muss ein Azubi gewesen sein, denn nur diesem würde ich so einen Fauxpas durchgehen lassen. Wenn es keiner war, dann kann es sich dabei nur um einen vollkommenen Idioten handeln. Sorry. Oder auch nicht.

Der Pumakäfig

„Naja, was soll’s? Wenn ich mit meinen Krücken einsteige wird dir schon jemand einen Platz anbieten…“ Zumindest habe ich das so in meiner Kindheit beigebracht bekommen. Andere scheinbar nicht. Als die Bahn mit 5 Minuten Verspätung ankam und sich die Türen öffneten, wurde ich von einem aussteigenden Schulkind einfach zur Seite geschupst. Scheinbar stand ich wohl in seiner Fluchtrichtung. Fluchtrichtung aus dem Grund, weil er mit solch einer Geschwindigkeit aus der Straßenbahn stürzte, dass er nur auf der Flucht sein konnte. Mir ist Gott sei Dank nichts passiert, aber ich war ja noch nicht in den „Pumakäfig“ eingestiegen. Dem darin vorherrschenden Geruch zu Urteilen haben auch über 50% der Mitreisenden vergessen sich die Zähne zu putzen. Lecker! Wie ihr euch vorstellen könnt, sank meine Laune exponentiell. Nun stand ich mitten im Getümmel. Ich hielt Ausschau nach einem freien Platz, doch musste schnell feststellen, dass es keinen mehr gibt, da die meisten von Schülern und teilweise von Erwachsenen besetzt waren. Links von mir stand eine junge Dame, welche ebenfalls mit Krücken unterwegs war. Die Bahn fuhr los und ich stolperte nach hinten und stürzte, während meine Leidensgenossin sich festhalten konnte. Autsch! Das war der kaputte Fuß. Ist aber nichts passiert.

Selbst Schuld! Ich Dummkopf!

Die Leute starrten mich an. Die sitzenden Schüler, die sitzenden Erwachsenen, keiner half mir oder bot mir seinen Platz an. Kann man das glauben? Ich zumindest nicht! Wo sind die Tugenden und die guten Taten hin? Haben wir sie verlernt oder sind sie überholt und altmodisch? Wahrscheinlich bin ich einfach selbst Schuld, wenn ich an sowas noch glaube und mit Krücken Bahn fahre. Ich Dummkopf. In meiner Kindheit, welche noch nicht all zu lange her ist, haben meine Eltern auf solche Dinge noch Wert gelegt. Ich habe gelernt immer die Leute zu grüßen, die ich kannte. Am besten als erster, da der Jüngere den Älteren zuerst grüßt. Ebenso habe ich gelernt, dass man alten Menschen, schwangeren Frauen, Behinderten und Hilfebedürftigen (z.B. Menschen mit Krücken) einen Platz anbietet. Das sind nur einige der Dinge. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht antiautoritär erzogen worden bin…

Seht ihr das auch so? Ich verstehe es einfach nicht. Ich verlange von den Menschen ja keine Niere oder so, sondern lediglich etwas auf solche Dinge zu achten. Ist mein Anspruch zu hoch? Ich weiß es einfach nicht. An dieser Stelle ein Appell an alle Menschen! Besinnt euch zurück an alte Tugenden. Unsere Welt leidet schon genug an dem vorherrschenden Turbokapitalismus und Kriegen, da sollte man sich schon gegenseitig helfen.

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Ich habe einen Faible für die vergangenen Tage und möchte Dir zeigen, wie ich die alten Tage in die Gegenwart hole. Meine Leidenschaft für die Mode und Kultur der 20-60er Jahre möchte ich hier mit dir teilen. Nebenbei führe ich ein ganz normales Leben.